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Phasen des Familienzyklus nach Auszug der Kinder |
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Phasen des Familienzyklus nach Auszug der KinderBasierend auf der Eidgenössischen Volkszählung 2000 hat das Bundesamt für Statistik eine erkenntnisreiche Publikation mit dem Titel "Alter und Generationen - Das Leben in der Schweiz ab 50 Jahren" veröffentlicht. Die Analyse enthält detaillierte Angaben zum Thema des Alterns als gesellschaftliches Phänomen, welche auf verschiedenen Indikatoren der Volkszählung und anderer Erhebungen beruhen. Die Studie umfasst aufgrund der zwei unterschiedlichen Perspektiven Alter und Generationen verschiedene Aspekte, die ein besseres Verständnis der allgemeinen Entwicklung des Alterns erlauben.
Im folgenden Beitrag von Martin R. Textor werden die beiden letzten Phasen des Familienzyklus vorgestellt: Es werden die Lebensaufgaben und Probleme beschrieben, die nun die Ehepartner bzw. Eltern bewältigen müssen. Ferner werden die zumeist intensiven Beziehungen zwischen den Generationen herausgearbeitet.
Die Familie nach Ablösung der KinderDiese Phase des Familienzyklus, die etwa 15 Jahre dauert, ist zunächst noch durch die Anpassung der Ehepartner an die neue Familiensituation gekennzeichnet, die sich aus der Ablösung und dem Auszug ihrer Kinder aus dem gemeinsamen Haushalt ergibt. Nun bildet wieder das Ehesubsystem den Mittelpunkt der Familie. Diese Reduktion auf die Gattenbeziehung führt manchmal zum Ausbruch verdrängter, nicht bewältigter oder neuer Konflikte. Insbesondere wenn die Partner nur wegen der Kinder zusammengeblieben sind, droht jetzt erneut die Scheidung. Problematisch ist auch, wenn die Ehebeziehung in den vorausgegangenen Phasen des Familienzyklus auf die Elternschaft geschrumpft ist. Dann verspüren die Partner eine große Leere und einen Mangel an innerer Gemeinsamkeit und Bezogenheit. So muss die Ehebeziehung neu geregelt und belebt werden, müssen die Ehegatten gemeinsame Gesprächsthemen, Interessen und Freizeitaktivitäten finden. Viele übernehmen jetzt auch verstärkt öffentliche Verantwortung, indem sie sich ehrenamtlich in Kirchengemeinden, Verbänden, Vereinen oder Parteien engagieren.
Nichtberufstätige Frauen haben vielfach besonders große Schwierigkeiten, sich an ein Familienleben ohne Kinder zu gewöhnen. Sie sind noch vital und leistungsfähig - fühlen sich aber sinnvoller Aufgaben beraubt, sind unausgelastet und unzufrieden, leiden unter einem Identitätsverlust. Auch halten sie sich oft noch für zu jung, um eine Großmutterrolle zu übernehmen. Diese Problematik führt bisweilen zu einer Verschlechterung des subjektiven Gesundheitszustandes, zu Depressionen oder zu Spannungen mit dem Partner und den Kindern. Die Frauen können jetzt nur noch unter großen Schwierigkeiten in die Arbeitswelt zurückkehren.
Erwerbstätige Männer und Frauen erreichen in der ersten Hälfte dieser Phase des Familienzyklus zumeist den Höhepunkt ihrer Karriere. Sie gehen routiniert und selbstsicher mit den Anforderungen des Berufslebens um, übernehmen leicht die Initiative und zeichnen sich vielfach durch eine besondere Produktivität aus. Da sie nun einerseits ihr höchstes Erwerbseinkommen erzielen und andererseits nur noch geringe Ausgaben für ihre Kinder haben (sofern diese nicht noch studieren oder arbeitslos sind), ist ihr Lebensstandard recht hoch, können sie sich zum Beispiel eine neue Wohnungseinrichtung, große Autos und kostspielige Auslandsreisen leisten. Eine erneute Belastung der Ehebeziehung bringt oft die "Midlife-Crisis" mit sich, die vor allem bei Männern zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auftritt. Die Betroffenen überdenken ihr bisheriges Leben kritisch und ziehen es häufig gefühlsmäßig in Zweifel. Auch müssen sie sich mit dem erreichten Grad ihres beruflichen Erfolges, ihrer abnehmenden Potenz und ihrer geringer werdenden Attraktivität abfinden, müssen Enttäuschungen und das Verfehlen bestimmter Lebensziele verarbeiten. In manchen Fällen führt dies zu Depressionen, oder es kommt zu außerehelichen Abenteuern, durch welche die Partner überprüfen wollen, ob sie auf Personen des anderen Geschlechts noch attraktiv wirken.
Für Frauen ist das Klimakterium besonders belastend, das zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auftritt. Neben körperlichen Veränderungen kommt es vielfach auch zu einer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens und der Leistungsfähigkeit, zu Schlaflosigkeit, Schwindelanfällen, Depressionen oder sogar psychotischen Zuständen. Auch hier sind manchmal negative Auswirkungen auf die Ehebeziehung festzustellen, muss eine neue Haltung zur Sexualität gefunden werden. In der zweiten Hälfte dieser Phase des Familienzyklus müssen sich die Partner mit dem Altern, mit den abnehmenden Kräften und der Verschlechterung ihrer Gesundheit auseinander setzen. Ihre berufliche Aktivität nimmt ab; sie erleben ein Gefühl der Vollendung oder geben höhere Ziele auf. Später gewinnen sie mehr und mehr Distanz zum Beruf und bereiten sich schon auf den Ruhestand vor.
Zu Beginn dieser Phase des Familienzyklus sind manche Kinder noch von ihren Eltern finanziell abhängig, obwohl sie sich schon von ihnen abgelöst haben und von daheim ausgezogen sind. Insbesondere während des Wehrdienstes oder Studiums sind sie auf die Unterstützung der Eltern angewiesen, wobei diesen vor allem im letztgenannten Fall hohe Ausgaben entstehen. Studenten und arbeitslose Akademiker durchleben nun die Phase der Postadoleszenz, die einerseits durch ökonomische Unselbständigkeit und andererseits durch eine hohe intellektuelle, politische und soziale Reife, durch Kritikfähigkeit, Offenheit, postmaterielle Werte und die Zugehörigkeit zu bestimmten informellen Gruppen gekennzeichnet ist. Treten die erwachsenen Kinder in die Phasen der jungen Ehe und der Familie mit Kleinkindern ein, müssen sich ihre Eltern an die Schwiegersöhne beziehungsweise -töchter gewöhnen. Lehnen sie diese ab, mag ihr Verhalten zu fortwährenden Konflikten, Entfremdung und eventuell sogar zu einem Beziehungsabbruch führen. Problematisch ist aber auch, wenn sie sich immer wieder in die junge Familie einmischen. Später müssen sich die Eltern an ihre Enkel anpassen und die Großelternrolle übernehmen. Nichterwerbstätige Frauen springen oft als Babysitter ein oder nehmen ihre Enkel kurzfristig zu sich, während berufstätige Frauen seltener als Großmütter verfügbar und oft auch zu derartigen Diensten nicht bereit sind. In vielen Fällen besteht ein reger Austausch zwischen Zeugungs- und Herkunftsfamilie.
In dieser Phase des Familienzyklus müssen viele Eltern ihren eigenen Eltern und vereinzelt sogar noch ihren Großeltern helfen, die aufgrund ihres hohen Alters, ihrer abnehmenden körperlichen Kräfte und ihrer Gebrechen viele Verrichtungen nicht mehr selbst ausführen können. Sie erledigen für sie Einkäufe und Behördengänge, fahren sie zum Arzt oder zum Altenclub, übernehmen Gardinenwäsche und Teppichpflege, führen kleinere Reparaturen durch oder halten den Garten in Ordnung. In manchen Fällen sind die jungen Erwachsenen weniger hilfsbereit, zum Beispiel wenn sie in ihren jungen Jahren keine echte Bindung an ihre Eltern (und Großeltern) entwickelt haben, wenn ihre Ablösung problematisch verlaufen ist oder wenn ihre Eltern gegen ihre Ehe waren und ihnen in den ersten Ehejahren keinerlei Unterstützung zukommen ließen. Im Extremfall mögen sie sogar jegliche Verantwortung für ihre Eltern ablehnen. Auch ist das Verhältnis zwischen den älteren Generationen durch ihre gesamte Biographie geprägt, also durch die Beziehungsqualität in Kindheit und Jugend, im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter. Je nachdem, ob die gemeinsame Vergangenheit mehr durch Zuneigung oder mehr durch Spannungen gekennzeichnet war, sind die gegenwärtigen Beziehungen nun eher harmonisch oder eher konfliktreich.
In manchen Fällen nehmen die Erwachsenen ein verwitwetes Elternteil in ihre Familie auf. Oft gelingt es ihnen, diese Person ohne größere Probleme zu integrieren; bisweilen kommt es aber auch zu Konflikten, zur Belastung der Partnerschaft und eventuell sogar zur Zerrüttung der eigenen Familie. Ist dieser Elternteil pflegebedürftig, dann können die großen körperlichen und physischen Anforderungen vielfach zu einer Überlastung der Familienmitglieder führen, die aufgrund ihres Alters, ihrer abnehmenden Kraft und gesundheitlichen Probleme nun häufiger an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen. Dieses gilt insbesondere für solche Erwachsene, die zwei älteren Generationen und eventuell sogar noch ihren Kindern und deren Familien helfen müssen. Im Normalfall sind aber die Belastungen in dieser Phase des Familienzyklus am geringsten.
Familie im AlterDie letzte Phase des Familienzyklus dauert etwa 15 Jahre. Sie beginnt mit der Pensionierung und endet mit dem Tod eines Ehepartners. Die meisten Arbeitnehmer setzen sich heute kurz vor ihrem 60. Lebensjahr zur Ruhe. Aus diesem Grunde, aber auch wegen der gestiegenen Lebenserwartung, wird die Phase des Ruhestandes immer länger.
Oft wird die Pensionierung als Schock erlebt: Vor allem Männer erfahren einen großen Verlust an Status und Autorität, entwickeln negative Selbstwertgefühle und halten sich für nutzlos und überflüssig. In vielen Fällen dauert es recht lange, bis sie die Rolle eines Rentners akzeptieren und in ihr Selbstbild integrieren. Da die Partner nun den größten Teil des Tages miteinander verbringen, gilt plötzlich der übliche Tagesablauf nicht mehr, werden eingespielte Interaktionsmuster, alte Beziehungsdefinitionen und eine seit langem praktizierte Arbeitsteilung in Frage gestellt. So müssen die Partner lernen, die gemeinsam verbrachte Zeit harmonisch, befriedigend und abwechslungsreich zu gestalten. Dazu müssen sie ihre Beziehung umdefinieren, einen gemeinsamen Lebenssinn finden, Rollen verändern und neue Aufgaben, Hobbys und Betätigungsfelder suchen.
Während in vielen Fällen die Frau weiterhin für die Haushaltsführung zuständig bleibt, kommt es in anderen zu einer Angleichung der Rollen und einer Umverteilung der im Haushalt anfallenden Arbeiten. Da die Männer nach der Pensionierung in den "Herrschaftsbereich" ihrer Frauen kommen, bildet sich in manchen Fällen ein "Altersmatriarchat" aus, während sie in anderen ihre Machtposition wahren können. Auch schreitet die durch gesellschaftliche, moralische und religiöse Normen bedingte Entsexualisierung der Ehebeziehung rasch fort, die schon in der vorausgegangenen Phase eingeleitet wurde. So wird alten Menschen unterstellt, dass sie kein sexuelles Interesse und keine Anziehungskraft mehr hätten, werden Zeichen der Zuneigung und Intimität von jüngeren Menschen oft missbilligt. Dementsprechend leiden manche Ehepartner an der fehlenden Möglichkeit, ihre (sexuellen) Empfindungen und Gefühle füreinander auf angemessene Weise auszudrücken.
Vielen alten Menschen gelingt es recht gut, ihren Tag auf interessante und zufrieden stellende Weise auszugestalten. Andere leiden hingegen stark unter Langeweile und der Ungegliedertheit des Tages- und Wochenablaufs. Sie verbringen viel Zeit vor dem Fernseher und zeigen nur wenig Interesse an anderen Aktivitäten. Die Ehepartner müssen sich auch mit dem sich rasch ändernden Erscheinungsbild und dem Verlust an körperlicher und geistiger Tüchtigkeit abfinden - mit einer Entwicklung, die von ihnen zumeist negativ bewertet wird, ihr Selbstwertempfinden verschlechtert und zu vielen Einschränkungen führt. Oft wird eine Person pflegebedürftig und ist auf die Versorgung durch ihren Partner oder andere Familienmitglieder angewiesen. Das Bewusstsein des nahenden Todes mag in solchen Fällen zu Angst und Verzweiflung führen, sofern er nicht gänzlich verdrängt und verleugnet wird.
Mit zunehmendem Alter und abnehmender Beweglichkeit sind die Ehegatten mehr und mehr an ihre Wohnung gebunden. Sie ziehen eine selbständige Haushaltsführung so lange wie möglich anderen Arrangements vor, da diese ihre Unabhängigkeit garantiert, ihr Selbstbewusstsein stärkt und ihre Kompetenzen erhält. Oft müssen sie einen Rückgang in ihrem Lebensstandard in Kauf nehmen, da ihr Einkommen sehr viel niedriger als in der vorausgegangenen Phase des Familienzyklus ist. Aufgrund der niedrigen Rente sind viele alte Menschen - vor allem aber Witwen - auf Sozialhilfe angewiesen.
In der Regel nimmt die Zahl sozialer Kontakte mit zunehmendem Alter ab, da alte Menschen meistens weniger kontaktfreudig sind und im Verlauf der Zeit immer mehr gleichaltrige Freunde und Verwandte sterben. So fühlen sich viele Seniorinnen und Senioren im Alter einsam. Während ein Schwinden des Freundes- und Bekanntenkreises vielfach akzeptiert wird, ist es für alte Menschen besonders belastend, wenn ihre Kinder und Enkel sie zum Beispiel aufgrund weit entfernter Wohnorte nur selten besuchen oder nur wenig Zeit für sie haben. Ihr Wunsch nach engeren Verwandtschaftskontakten ist dann besonders stark, wenn sie in einer gestörten Partnerbeziehung leben, wenig Interessen haben, hilfsbedürftig sind oder wenig Freunde und Bekannte haben.
In den meisten Fällen haben alte Menschen aber noch enge Beziehungen zu Verwandten und Freunden, stehen in intensiver Kommunikation mit ihnen und tauschen eine Vielzahl von Leistungen mit ihnen aus - wobei sie nur zum kleineren Teil die Empfangenden sind: Sie geben viel, indem sie zum Beispiel Enkel beaufsichtigen, Geld und Sachwerte schenken, bei Notlagen einspringen und eventuell sogar eine laufende Hilfe zum Unterhalt der Familien ihrer Kinder leisten. Generell haben etwa zwei Drittel der über 65-jährigen regelmäßigen Kontakt zu Verwandten. Dabei ist die Beziehung zu den Familien der Töchter meist intensiver als die zu den Familien der Söhne, engagieren sich Großmütter mehr als Großväter. In der Regel wird von allen Seiten aber kein zu enger Kontakt gewünscht: "Intimität auf Abstand" gilt als beste Beziehungsdefinition. Alte Menschen fühlen sich besonders wohl, wenn zu harmonischen Verwandtschaftsbeziehungen viele Kontakte zu Freunden und Bekannten hinzukommen.
Spätestens in dieser Phase des Familienzyklus übernehmen alte Menschen die Großelternrolle - sofern ihre Kinder eine Familie gegründet haben (zurückgehende Heiratsneigung und Geburtenrate). Die Großelternrolle ist nicht klar definiert und ist nicht mit konkreten Verhaltensanforderungen verknüpft. So kann sie auf vielerlei Weise ausgeübt werden: Manche Großeltern wollen mit ihren Enkelkindern zusammen sein, mit ihnen spielen und viel Spaß erleben, während andere sich von ihnen eher distanzieren. Einige fungieren als Ersatzeltern, während andere sich mit der Rolle des weisen Ratgebers zufrieden geben oder aber wenig Anteil an dem Leben ihrer Enkel nehmen. Viele ältere Frauen übernehmen aber auch Betreuungsaufgaben. Manchmal verbünden sich Großeltern mit ihren Enkeln und vermitteln zum Beispiel bei Konflikten mit den Eltern.
Meist nimmt die affektive Distanz zwischen Großeltern und Enkeln immer mehr zu, wenn Letztere älter werden. Hier wirkt sich aus, dass alle drei Generationen verschiedene Lebensstile, Interessen, Moralvorstellungen und Erfahrungen haben, dass sich die Großeltern zumeist den herrschenden Werten und Einstellungen entfremdet haben und ihr Wissen als veraltert gilt. Diese mögen aber weiterhin die Beziehung zu ihren Enkeln als persönliche Bereicherung erleben und auf deren schulische und berufliche Erfolge stolz sein.
Nach dem Tode des einen Ehepartners - zumeist des Mannes, da die Lebenserwartung der Frau rund sieben Jahre höher ist - muss der andere Gefühle der Trauer verarbeiten, sich umorientieren und lernen, alleine zu leben. Manchmal erweist er sich als unfähig, die vom Gatten ausgeführten Aufgaben zu übernehmen. Oft fühlt er sich einsam und isoliert, mangelt es ihm an Lebenssinn, wird er inaktiv. Vor allem Männer heiraten in dieser Situation wieder. Nur noch wenige alte Menschen ziehen nach dem Tod ihres Partners oder einige Zeit später zu ihren Kindern. Insbesondere bei Pflegebedürftigkeit müssen sie oft in ein Heim wechseln.
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